Pfarreiengemeinschaft Untermosel-Hunsrück
Pfarreiengemeinschaft Untermosel-Hunsrück

Würdigen und anerkennen, was werden durfte und seine Zeit hatte              Danken

Würdigen und anerkennen, was ist und lebt                                        Annehmen

Würdigen und anerkennen, damit käme, was werden und leben soll               Empfangen

 

Sehr geehrte Damen und Herren, in den Gremien unserer Pfarreiengemeinschaft

liebe Weggefährten im Glauben

 

Die Phase der Sondierung fällt in eine Zeit, da uns wahrscheinlich andere Dinge mehr bedrücken als die Zukunft unserer Pfarreien: ich denke an Selbständige und Gewerbetreibende, die von Existenzängsten geplagt werden; Familien, die durch Home-Schooling und Home-Office in ihren Tagesabläufen gestört sind und Arrangements zu treffen haben, die – soweit möglich – allen gerecht werden; Kinder und Jugendliche, deren Lebensdrang und Wunsch nach Zusammensein mit Gleichaltrigen massiv gedrosselt ist; Menschen, die unter Einsamkeit leiden, da die Kontakte teils extrem zurückgefahren sind. Aber auch alle jene, die angesichts der Krise wenig innere Kraft aufzubringen vermögen, um aufmerksam, aber doch nicht unter Daueralarm unterwegs zu sein. Jedem von Ihnen werden wahrscheinlich Bilder und Situationen vor Augen stehen, die den Eindruck vermitteln, wie mit Ketten an den Füßen unterwegs zu sein. Und dann kommt die Kirche mit dem Thema „Sondierung“ und „Fusion von Pfarreien“!

Wo doch gerade soviel Gewohntes und Vertrautes aus dem Rhythmus gekommen ist, das sich täglich neu ordnen und finden soll; wo vieles in den Abläufen unterbrochen ist, sollen wir Kraft und Konzentration auf weitere Um-, Ab- und Aufbrüche lenken. Woher die Kraft nehmen? Woher soll der Antrieb kommen? Das fragen Sie und wir als der Kirche verbundene und engagierte Menschen nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Bemühungen und Anstrengungen, mit denen wir das „Schifflein der Kirche“ bisher versuchten auf Kurs und in Fahrt zu halten. Mit bewundernswertem Beharrungsvermögen haben Sie in den Gremien ausgehalten; gerade und auch, nachdem wir auf unserem eingeschlagenen Weg gestoppt wurden. Mit hohem Tempo waren wir damals unterwegs. Und von vielen war nach dem ersten Ärger zu hören, daß die Entschleunigung auch Gutes spüren und wahrnehmen ließ: Durchatmen und mal nachspüren, was an immenser Kraft und Energie hochgefahren worden war. Wie so oft im Leben folgte dem Innehalten-in-vollem-Lauf das Empfinden von Stagnation, bei manchen Leere. Es war, als ob die Kräfte noch nachwirkten; als würden wir auf uns selbst auflaufen. Oder, wer’s mal erlebt hat und eine Vollbremsung mit dem Auto hinlegen mußte: an der Länge des Anhalteweges ließ sich das Tempo erahnen, mit dem ich unterwegs war.

Solche Erfahrungen führen die eigene Schwäche vor Augen und bieten die Chance eine neue Fühligkeit für das zu entwickeln, was an Kräften auf uns einwirkt; was uns treibt und beschleunigt, uns bewegt und seelisch hochfahren läßt; uns aber auch (anfangs unbemerkt, später immer deutlicher) erschöpft und lähmt. Es wäre merkwürdig, wenn solche Lebensmechanismen vor der Kirche halt machten. Denn wir Menschen sind es doch, die in der Kirche und mit ihr wirken; die dort das Miteinander gestalten. Gibt es also nicht auch in unserem Kirchesein, in unseren pfarrlichen Aktivitäten genau diese Erfahrung von Müdigkeit und Erschöpfung? Etwa beim starken Rückgang derer, die bereit sind, sich weiterhin zu engagieren und viel Zeit und Energie aufzubringen, damit das kirchliche Leben am Ort gedeihe und blühe? Ist es nicht für manche von Ihnen auch ermüdend, Tag für Tag jemandem hinterherzulaufen, Leute anzusprechen für Dienste und Handreichungen und ebenso oft ein „Nein, danke!“ oder „Kein Interesse!“ zu hören? Ist es nicht desillusionierend Zeit und Kraft in Vorbereitungen auf Kommunionen u. ä. zu investieren und nach dem Highlight war’s das dann?

Ein gutes Merkmal für die Nachhaltigkeit unseres Dienstes und Einsatzes kann es sein, mal geistlich genau zu unterscheiden: Was setzt Kraft frei? Was fruchtet? Was gibt Freude und Lust aufs Weitermachen? Und auf der anderen Seite mal hinzuschauen: Was zehrt (aus) und ermüdet? Was schwächt und frustriert? Was verschlingt Kräfte und hinterläßt Leere?

 

Wir stehen gerade in der Osterzeit. Haben das Geheimnis der Auferstehung gefeiert. Und zuvor die Passion Jesu Christi betrachtet. Seine Hingabe im Zeichen äußerster Erschöpfung (Karfreitag) gläubig mitvollzogen. Ein Bild der Schwachheit und völligen Entäußerung bot Sein Anblick. Unfaßbar der Wandel dieses Eindrucks zu jenem vom Sieger über Sünde und Tod, Der auferstand und lebt!

Paulus hat es in 2 Kor 12 in gültige Worte gebracht: „Ich rühme mich meiner Schwachheit, denn wenn ich schwach bin, bin ich stark.“ Kann das nicht als geistlicher Leitfaden für uns jetzt dienen?

Wo die Kirchengemeinden geschwächt und manche regelrecht ausgepowert scheinen, fast am Boden und doch – leben? Wo wir im Zusammenrücken und Zusammengehen der Pfarreien nicht Schwächen addieren, sondern Kräfte bündeln? Wo wir hinter uns lassen, was uns auf Dauer auszehrt, und uns dem zuwenden, was unser „Ureigenes“ als Christengemeinde ist; als Kirche, die von Ihm ihre Kraft erhält und von Ihm gesegnet durch die Zeit unterwegs ist? Uns Seinem Geist anvertrauen und von Ihm uns zeigen lassen, wo über die Kirche hinaus Er wirkt? Uns in Vertrauen und Offenheit Orte-von-Kirche erschließen und schenken lassen?

 

Es wäre nicht überraschend, wenn sich aus der scheinbar momentanen Schwächung-im-Eigenen neues Erstarken heranbildete; es wäre ganz österlich, wäre Auferstehung und bedeutete: Fahrt aufzunehmen mit Ihm, als Dem, Der dem Leben einen neuen, verträglichen Rhythmus einhaucht. Der uns die Gnade schenkt, die Freude, die wir empfangen, in Dankbarkeit auch auszustrahlen.

Vergessen wir im Aufbruch nie, was Er den Frauen am Grab als Botschaft an die Jünger, an die Kirche versprochen hat: „Ich gehe voraus!“ Ich glaube Ihm. Sein Voraussein werden wir erfahren, wenn wir aufbrechen, denn aus Seinem Voraus kommt Er uns entgegen. [Osterzeit 2021, Pfr. Joachim Wagner]

6. Sonntag der Osterzeit                                                                             9/Mai-2021

Les. 1: Apg 1025-26.34-35.44-48

Les. 2: 1 Joh 47-10                                                                                            Ev.: Joh 159-17

 

 

Geistliche Betrachtung

 

Bleib‘ in meiner Liebe, Menschenkind; glaube und bleibe!

 

 

Auch in der heutigen Liebeserklärung des Sohnes an uns bleibt die Stimme des Vaters hörbar. Der Klang Seiner Stimme ist die Liebe. Über diese Liebe stimmig sprechen heißt: den Sohn in Blick nehmen und, angefangen von Seiner Menschwerdung bis hin zu Seiner Himmelfahrt, geistlich betrachten, was Er gesprochen, gelehrt, gewirkt und vollbracht hat:

 

Wie Er voll Erbarmen den Sündern begegnete, Kranke heilte, Hungernde speiste, Verstoßene aufnahm und ihnen wieder Gemeinschaft schenkte, Tote auferweckte – alles aus Liebe. Wie Er mit den Pharisäern und Schriftgelehrten stritt, im Tempel mit kräftiger Hand zulangte und aufräumte: die Tische derer, die das Heilige zu verhökern suchten, umstieß und die Händler mit Stricken aus dem heiligen Bezirk hinaustrieb – alles aus Liebe. Wie Er sich unter die Verbrecher rechnen, verhöhnen, bespucken, verspotten, geißeln und zum Tode verurteilen ließ – alles aus Liebe. Wie Er die Schuld der Welt auf Sich nahm, noch am Kreuz Vergebung zusprach und Sich ganz dem Vater übergab – alles aus Liebe.

 

Wie Er auferstand und plötzlich mitten unter Seinen Jüngern erschien; sie mit Geduld und doch bestimmt das Unfaßbare anfassen ließ, damit sie sich überzeugten und glaubten; wie Er sie stärkte durch den Anhauch mit göttlichem Geist und sie, gegen alle Zweifel und Schwerfälligkeit im Glauben, dennoch in die geistliche Hochschule Seiner Liebe nahm und Ihnen im Licht von Ostern den Sinn der Schrift erschloß; wie Er sich vorerst mit Petrus Freundschaft zufrieden gibt, aber ihm doch das Wort zumutet: ein Anderer werde ihn noch zur hingebenden Liebe führen – alles aus Liebe.

 

Wie Er Sie, trotz aller persönlichen und menschlichen Schwäche, zum Fundament Seiner Kirche erwählt, in der Er „alle Tage bis zum Ende der Welt“[1] gegenwärtig bleibt, für sie beten und eintreten wird beim Vater – alles aus Liebe.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder in Christus

Liebe Weggefährten im Glauben – und in der Liebe –

 

Man sollte meinen, auf diese Überfülle an Liebe könnte der Mensch nicht anders als mit Liebe antworten. Zumal die dreifaltige Liebe mit der Himmelfahrt des Sohnes sich nicht ins Gestaltlose zurückzog und bis zu unserer eigenen Heimkehr zum Vater verbarg, sondern durch die „Wolke von Zeugen“ bis heute in Menschengestalt erfahrbar bleibt![2] In den Heiligen und auch jenen, die in vielen kleinen und unscheinbaren, aber so äußerst wirksamen Zeichen der Barmherzigkeit und Liebe Seine Gegenwart bezeugen. Die in Seinem Namen und völlig selbstlos, ohne jede Berechnung oder sonstige Eintrübung in Bescheidenheit wirken: durch eine Handreichung, ein gutes Wort, ehrfürchtiges Schweigen, ungeteiltes Zuhören, lauteres Denken und Beten.

 

Trotzdem fällt es vielen schwer Seiner Liebe zu vertrauen und Ihm zu glauben; geschweige denn an Ihn zu glauben und Seiner Liebe entsprechend zu antworten. Er sieht überdeutlich das Mißtrauen gegen Ihn; sieht die Selbstzweifel und das Zögerliche der Unentschlossenen und legt deshalb das Wort von der Erwählung nach: „Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch erwählt.“ Im Klartext: Du, Menschenkind, das Du lebst und bist, lebst in dieser Welt nicht durch Zufall, sondern weil Du gewollt und erwählt bist. Gott wollte und will, daß Du da bist! Und zwar nicht planlos, sondern mit einer Bestimmung und Sendung beschenkt; Auftrag, der Dir und anderen zur Freude dienen und fruchtbar werden darf. Fruchtbar – durch meine Liebe.

 

Laß meine Liebe in Dir auferstehen! Glaube und bleibe! Amen, Halleluja

 

[1] Mt 2820

[2] Vgl. Hebräerbrief, vor allem Kapitel 11 und 12! Hier: 121: „Darum wollen auch wir, die wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, …“; und weiter: „Laßt uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der vor uns liegt, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.“

Fürbitten 6. Sonntag der Osterzeit                                                                            9/Mai-2021

 

 

Einander-lieben heißt: den Auferstandenen sichtbarwerden zu lassen. Seine Liebe hat den Tod bezwungen und uns durch Vergebung der Schuld Erlösung gebracht. Deshalb bitten wir:

 

 

Erneuere Deine Kirche in der Liebe, damit das Zeugnis Deiner Gläubigen wieder froh und lichterhell strahle.

Der Du auferstanden bist und lebst! – A.: Wir bitten Dich erhöre uns.

 

Sende unserer Pfarreiengemeinschaft Deinen Heiligen Geist, damit Er uns eine und in gegenseitiger Liebe verbinde. Hilf unseren Pfarreien großherzig und selbstlos einander beizustehn.

Der Du auferstanden bist und lebst!

 

Erfülle die Kinder und Jugendlichen, die sich in dieser Zeit auf die Erstkommunion und Firmung vorbereiten, mit Deiner Liebe. Rüste sie aus mit dem Geist der Treue und Verbindlichkeit, damit das, was sie empfangen, für Deine Kirche, für den Nächsten und sie selber fruchtbar werde.

Der Du auferstanden bist und lebst!

 

In den Zeiten der Pandemie bitten wir Dich um Deine besondere Gnade!

Stärke die Herzen aller und tilge aus ihnen Furcht und Angst. Schenke uns den Geist der Beharrlichkeit; mach‘ stark in uns die Liebe zu Dir, damit wir jetzt bei Dir und in Dir bleiben, wie Du immer bei uns bleibst!

Der Du auferstanden bist und lebst!

 

Heile uns von den Wunden dieser Zeit und von allen Krankheiten des Geistes, der Seele und des Leibes.

Reinige auch unsere Gesellschaft von allem, was gegen die Würde des Menschen zielt.

Der Du auferstanden bist und lebst!

 

Erbarme Dich unserer Verstorbenen. Komm ihnen entgegen, nimm sie in Deinen Arm und führe sie heim in Deinen Osterfrieden. [N. N.]

Der Du auferstanden bist und lebst!

 

 

Wir danken Dir für das Geschenk der Osterzeit; für die Kraft, die uns diese Zeit bereithält. Danke, Herr, für Dein Wort und das Sakrament der Eucharistie. Laß uns immer Dich preisen und ehren – alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. A.: Amen